ohne Titel, 1979
Aquarell auf leichtem Karton
Links unten signiert und datiert:
"Altripp 79"
Rückseitig nochmals signiert und datiert, sowie mit der Werknummer:
"A 75/79" versehen.
23,7 x 16,3cm
Literatur und Abbildung:
"Alo Altripp-Von Farben, Formen und Nichtfarben , Dr. Bernd Fäthke, 2009".
Seite 44
Euro 1.250,-
Unser Aquarell von 1979 ist überwiegend in verschiedenen Blautönen gehalten, die Alo Altripp mit zum unteren Bildrand hin abnehmender Farbintensität in schwungvollen Pinselstrichen ausführt. Im Zentrum des Kartons befindet sich eine rundliche weiße Form. Die sichelförmige Struktur darüber ist mit Ausnahme eines schmalen Streifens mit dünnflüssiger blauer Farbe übermalt, sodass das Orange nur noch schwach unter dem Blau hindurchscheint.
Von herausragender Bedeutung für das Œuvre Alo Altripps sind die von äußerster Kreativität und Produktivität geprägten 1930er Jahre, in denen er sein Farben- und Formenrepertoire für sein weiteres Werk erprobt. In dieser Zeit steht Altripp in intensivem Kontakt zu vielen Künstlerkollegen – hier ist neben Paul Klee, den Altripp zwischen 1935 und 1939 wiederholt in der Schweiz besucht, insbesondere Alexej von Jawlensky zu nennen, mit dem ihn seit 1934 eine intensive Freundschaft verbindet – und im Rahmen des Experimentierens mit unterschiedlichsten Farben, Formen, Techniken und Materialen beschäftigt er sich bereits vor der eigentlichen Entwicklung des Informel mit informeller Malerei.
Der Wechsel zu Papier als Bildträger erfolgt in der Nachkriegszeit und Altripp beginnt – seiner neuen Vorliebe für Schwarz und Weiß folgend – mit einer Reihe von Kreidezeichnungen. Inspiriert durch das intensive Licht, das er während seiner Aufenthalte Anfang der 1960er Jahre im Tessin, in Italien und Griechenland erfährt, integriert Altripp wieder Farbe in seine Arbeiten und konzentriert sich in der Folge auf kleinformatige Aquarelle, in denen er seine eigene abstrakte Bildsprache offenbart.
Ein schönes Beispiel dieser Aquarelle ist unser Blatt von 1979. Deutlich ist die expressive Malweise mit dynamischen Pinselstrichen erkennbar, die zum Teil über die gesamte Bildfläche reichen. Mit der Form im Zentrum des Bildes zeigt sich ein besonderes Merkmal der Arbeiten Altripps, da der Künstler nie reine geometrische Formen wie Kreis, Dreieck, Rechteck oder Quadrat verwendet. So stellt sich auch das zentrale Element unseres Aquarells als Mischung aus Kreis und Dreieck mit abgerundeten Ecken dar. Auch die farbliche Gestaltung ist dem Künstler hervorragend gelungen, wendet er hier doch den Komplementärkontrast von Orange und Blau an, der Assoziationen an einen Sonnenuntergang weckt.
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