M.S., 1988
Acryl auf Leinwand
Rückseitig signiert und datiert:
„Walter Dahn 1988“
135,5 x 55,5 cm
Provenienz: Galerie Meyer-Ellinger, 1989
(Originalrechnung)
6.500,-
Das Gemälde „M.S.“ von 1988 zeigt in schmalem Hochformat zwei Schwarz-Weiß-Darstellungen eines jungen Mädchens. Die beiden übereinander angeordneten Brustbilder weisen eine identische Komposition auf: Den Körper abgewandt blickt das Mädchen den Betrachter freundlich lächelnd an, während es mit der rechten Hand ein Blatt Papier mit einer (Kinder-)Zeichnung präsentiert. Die obere Darstellung ist im Gesicht feiner gearbeitet und von einigen leuchtend gelben Farbtupfen überlagert, während die untere Darstellung wie eine Reproduktion mit einigen Fehlstellen wirkt. Am Rand rechts sind zudem zwei weitere, angeschnittene Wiederholungen des Motivs erkennbar. Das untere Drittel der Leinwand ist nur mit einigen gelben und schwarzen Tönen versehen, die im leicht nach rechts verschobenen Zentrum konzentriert sind.
Walter Dahn wendet verschiedene Techniken an, die „M.S.“ stilistische Eigenschaften einer druckgrafischen Arbeit verleihen: Neben der Beschränkung auf Schwarz und Weiß erinnert die Reihung des identischen Motivs an Druckverfahren, durch die eine Vielzahl identischer Blätter entstehen. Ein weiteres Merkmal der Druckgrafik ist zudem die Tatsache, dass – abhängig vom jeweiligen Druckverfahren und dem Material der Druckform – durch die wiederholte Benutzung der Druckform Abnutzungserscheinungen auftreten und sich damit eine allmähliche Abnahme in der Qualität der druckgrafischen Werke ergibt. Diese „Makel“ integriert der Künstler in seine Komposition, indem er die einzelnen Darstellungen nicht einheitlich und an jeder Stelle detailliert malt, sondern mithilfe von Auslassungen und Brüchen minimale Abweichungen innerhalb des Motivs schafft. Die sichtbaren „Fehlstellen“ könnten – wenn es sich z.B. um einen Siebdruck handeln würde – auf das Eintrocknen der Farbe im Sieb zurückgeführt werden. Dahn allerdings erhält diese Wirkung allein durch seine Maltechnik mit Acrylfarbe.
Dahn stellt zeitgleich mit diesem Gemälde tatsächlich auch diverse Siebdrucke her. Denn „M.S.“ reiht sich zeitlich in Dahns Werke der späten 1980er Jahre ein, als der Künstler den Siebdruck als sein bevorzugtes Verfahren entdeckt und in der Folge Einzelwerke und kleine Serien mit dieser Technik herstellt.
Ein besonderer Reiz unseres Gemäldes liegt auch in der farblichen Gestaltung dieser außergewöhnlichen Komposition. Hauptsächlich reduziert auf den Schwarz-Weiß-Kontrast bilden nur einige gelbe und violette Spuren farbige Akzente und verleihen dem Werk damit eine lebendige Wirkung.
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