Magic flute
Oil on board, signed and dated 1958
On the reverse old exhibition lable: "WINTER-AUSSTELLUNG 1959, DER BILDENDEN KÜNSTLER VON RHEINLAND UND WESTFALEN IM KUNSTPALAST, DÜSSELDORF, EHRENHOF.
18,7 x 13,8 in.
Euro 1.600,-
Das Gemälde mit dem Titel „Die Zauberflöte“ von 1958 ist eine abstrakte Komposition in verschiedenen Brauntönen mit weißen, gelben und blauen Akzenten. In der Bildmitte bilden auf dunkelbraunem Grund überwiegend rechtwinklige, hellbraune Formen mit betonten Umrisslinien eine U- oder V-Form. Diese kantige Struktur wird von verschiedenfarbigen, größeren und kleineren Farbtupfen überlagert und zudem an einigen Stellen von waagerechten Linien durchkreuzt. Den überwiegenden Raum der Bildfläche nehmen verschiedene Brauntöne ein. Am äußersten Bildrand begrenzt schließlich ein im unteren Bereich durch angedeutete Schatten fast dreidimensional wirkender braun-schwarzer Rahmen die Komposition.
Herm Dienz’ stilistische Entwicklung führt ihn von impressionistischen Anfängen zu expressionistisch beeinflussten Werken in den 1920er Jahren. In den folgenden zwei Jahrzehnten aus finanziellen Gründen und durch die Hindernisse des Nationalsozialismus eingeschränkt, vollzieht er Ende der 1940er Jahre einen künstlerischen Neuanfang, der ihn immer stärker zur Abstrahierung führt. Im Anschluss an eine Reise nach Paris im Jahre 1951, wo er die abstrakten Innovationen der Avantgarde und insbesondere die lyrisch-abstrakte Variante der École de Paris studiert, pendeln seine Werken immer stärker zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. In den Jahren 1958/1959 löst sich Dienz schließlich konsequent vom Gegenstand und schafft informelle Werke, meist im Stil des Tachismus mit kleinteiligen, häufig pastosen Farbtupfen. Dieser abstrakten Phase folgt bereits Anfang der 1960er die Rückkehr zur Figuration, die in den folgenden Jahren und Jahrzehnten unterschiedlichen Tendenzen unterliegt.
Unser Gemälde von 1958 entsteht somit während der kurzen Zeitspanne, in der Dienz ausschließlich abstrakte Werke schafft. Deutlich sind die tachistischen Elemente erkennbar, die während dieser Phase zu den dominierenden Gestaltungsmitteln des Künstlers zählen und bei unserem Werk in besonders ansprechender Farbwahl mit gedeckten Farben kombiniert sind.
Gegenstandsbezüge finden sich bei Dienz zwar nicht direkt in den abstrakten Kompositionen, wohl aber indirekt durch die Titel der Bilder. Diese legen häufig nahe, dass ein Gegenstand, eine Stimmung oder ein Ereignis Anstoß für seine Werke ist. Im Hinblick auf „Die Zauberflöte“ geht vor diesem Hintergrund – und berücksichtigt man auch der Tatsache, dass die Liebe zur Musik Dienz seit frühester Kindheit begleitet und er zudem in schwierigen Zeiten Trost und Rückzug im eigenen Spiel an seinem Flügel findet – vermutlich auch unserem Gemälde ein entsprechendes Ereignis voraus, sei es ein Opernbesuch oder ein Klavierkonzert.
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