Weiblicher Akt, ca. 1900
Tempera und Pastell auf Karton
Links unten signiert:
"Habermann"
90 x 70cm
Euro 3.800,-
Der weibliche Akt steht leicht nach links geneigt im Zentrum des Kartons und bildet damit eine leichte Diagonale zur Bildfläche. Während der schlanke Körper fast frontal dem Betrachter zugewandt ist, blickt die im Profil dargestellte junge Dame nach rechts. Das rechte Bein leicht angewinkelt, ruht ihre rechte Hand an der Schulter. Den undefinierten Hintergrund nehmen pastellfarbene Blau- und Rosatöne ein, die sich in der unmittelbaren Umgebung der Figur konzentrieren und den Körper wie ein großes Tuch einrahmen; dabei ist die linke Hand und der linke Oberschenkel des Aktes von breiten, rosafarbenen Pinselstrichen verdeckt.
Unter dem Einfluss seines Lehrers an der Münchener Akademie, des Historienmalers Karl Theodor von Piloty, widmet sich Hugo von Habermann zu Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit historischen Themen, bevor er sich gegen Ende seines Studiums 1879 zunehmender der Bildnismalerei zuwendet. Den Schwerpunkt seines Œuvres bilden figürliche Werke, insbesondere Frauenportraits, die er häufig als Auftragsarbeiten ausführt. Stilistisch zeigt von Habermann eine Entwicklung von naturalistischen und impressionistischen Werken hin zum Jugendstil. Seit ihrer Gründung 1896 werden bis 1919 regelmäßig Gemälde und Zeichnungen von Habermanns in der Zeitschrift „Jugend“ abgebildet.
Neben seinen Auftragsarbeiten portraitiert von Habermann zur Entstehungszeit unseres Werkes seit ihrer Bekanntschaft im Jahre 1897 bevorzugt seine spätere Ehefrau Olga Hess, deren Portraits jedoch aufgrund ihrer markanten Erscheinung sowohl vom Publikum als auch von Kritikern abgelehnt werden. Um die Jahrhundertwende tauchen vermehrt andere Modelle in seinen Bildern auf und er fertigt zudem zahlreiche Aktdarstellungen an, die er teilweise den Bacchantinnen oder Mänaden gewidmet.
Unsere Arbeit besticht insbesondere durch die farbliche Gestaltung: Der herausragenden Darstellung des weiblichen Körpers im Zentrum, der mit feinsten Farbabstufungen detailliert ausgearbeitet ist, stellt der Künstler flächige, mit breitem Pinselstrich und dynamischer Linienführung aufgetragene Pastelltöne gegenüber. Es entsteht ein starker Kontrast zwischen der inkarnatfarben erscheinenden Haut des Aktes einerseits, die von Habermann auch durch die Verwendung von Weiß und zartem Grün erzielt, und dem undefinierbaren Hintergrund in leuchtenden Pastelltönen andererseits. Für den Betrachter ergibt sich durch die bewegte Pinselführung des Hintergrundes und durch die leicht schräge Körperhaltung der Figur, die ansatzweise an eine tanzende Pose erinnert, eine außergewöhnliche, dynamische Szene.
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