Woman from Bali
Ink drawing, signed, ar. 1920
Size: 18,5 x 15in.
Euro 850,-
Unsere Tuschezeichnung zeigt das Halbfigurenportrait einer jungen Balinesin mit um die Brust gewickeltem und über eine Schulter gelegtem Tuch. Den Körper leicht nach links abgewandt und die Arme angewinkelt blickt die junge Frau den Betrachter direkt an.
Nach einem Studium bei Angelo Jank an der Akademie der bildenden Künste in München wird Heinrich Heuser Meisterschüler bei Fritz Mackensen in Weimar. Seine Ausstellungstätigkeit beginnt 1912 bei der Berliner Sezession; zudem stellt er neben Expressionisten und Avantgardekünstlern in der Münchner Galerie Hans Goltz aus. Nach einem Aufenthalt in Paris 1912/13 unternimmt Heuser in den folgenden Jahrzehnten auch zahlreiche Fernreisen, die ihn unter anderem nach Nordafrika, Argentinien und Bali führen. Neben Malerei und Grafik ist Heuser auch auf dem Gebiet des Bühnen- und Kostümdesigns tätig.
Zur Entstehungszeit unserer Tuschezeichnung sorgt das zweibändige Werk „Bali“ von Gregor Krause und Karl With für großes Aufsehen in der kulturellen Avantgarde Deutschlands. Es handelt sich um die Publikation von rund 400 Photographien, die Gregor Krause 1912 bis 1914 während seiner Tätigkeit als Arzt auf Bali angefertigt und mit kurzen Texten versehen hatte, und beinhaltet auch ein Vorwort von Karl With, dem damaligen Direktor des Museum Folkwang. 1920 veröffentlicht erscheint dieses Werk aufgrund der großen Nachfrage nach kurzer Zeit in einer zweiten Auflage und wird der erfolgreichste Titel der Buchreihen „Geist, Kunst und Leben Asiens“ und „Kulturen der Erde“ des Folkwang Verlages. Heuser gehört zu den zahlreichen Künstlern, Schriftstellern und Photographen, die sich – beeindruckt von der Ursprünglichkeit und unberührten Schönheit Balis – selbst auf die Insel begeben, um dort Inspiration für ihre Werke zu finden.
So schafft Heuser auf Bali eine Serie von Gemälden und findet dort vermutlich auch das reizende Motiv unserer Tuschezeichnung. Mit einfachen und dennoch ausdrucksstarken Mittel stellt der Künstler die junge Inselschönheit dar: Das ebenmäßige, in Frontalansicht präsentierte Gesicht mit leicht schräg gestellten Mandelaugen und vollen Lippen wird von den im Nacken zusammengefassten Haaren und runden Ohrringen eingerahmt. Das festliche Gewand und geschmückte Aussehen der jungen Frau lassen mit der durch die angewinkelten Arme angedeuteten tanzenden Bewegung an einen Zusammenhang mit traditionellen balinesischen Ritualen und Zeremonien denken, die immer auch mit Tänzen verbunden sind.
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