Komposition, 1974
Aquarell auf Papier, signiert und datiert:
"Greis 74"
Größe: 37 x 35 cm
Euro 950,-
(ohne Rahmen)
Die abstrakte Komposition von 1974 in den Primärfarben Rot, Gelb und Blau auf weißem Grund konzentriert sich strahlenförmig um das leicht nach unten verschobene Zentrum des Blattes. Die einzelnen Linien führt der Künstler mit schmalen oder auch breiteren Pinselstrichen aus, während er große Teile des Blattes unberührt lässt.
Nach privatem Mal- und Zeichenunterricht bei dem Frankfurter Maler und Graphiker Johann Heinrich Höhl beginnt Otto Greis seine künstlerische Tätigkeit in den 1930er Jahren mit Landschaftsaquarellen in leuchtender Farbigkeit. Die enge Freundschaft mit Ernst Wilhelm Nay führt in der Nachkriegszeit zu einem intensiven Austausch beider Künstler über gestalterische Fragen. Zudem lassen Greis’ Werke dieser Zeit eine Auseinandersetzung mit Paul Klee und Paul Cézanne erkennen. Der Besuch der zweiten großen Ausstellung der Künstlergruppe „CoBrA“ in Lüttich – insbesondere die tachistischen Werke Jean René Bazaines hinterlassen bei Greis einen nachhaltigen Eindruck – und ein kurzer Aufenthalt in Paris führen im Dezember 1951 zu Greis’ ersten informellen Gemälden. Im Gegensatz zu den beiden anderen Künstlern der „Quadriga“, Karl Otto Götz und Bernard Schultze, löst sich Greis, wie später auch Heinz Kreutz, bereits Mitte 1950er Jahre vom Informel. Nach einer Werkphase sehr pastosen Farbauftrages wendet er sich zunehmend – insbesondere seit seinem Umzug nach La Frette sur Seine bei Paris 1957 – Gemälden mit transparenten Farbschichten und Aquarellen zu, die seine Beschäftigung mit Licht und Farbe widerspiegeln. Inspiration für diese, sein Werk fortan bestimmenden Arbeiten findet Greis einerseits durch das Studium Alter Meister auf seinen Reisen nach Italien und andererseits durch die Erlebnisse der Licht- und Farbveränderungen an der Seine und während seiner zahlreichen Aufenthalte im Mittelmeerraum.
In den 1970er Jahren unternimmt Otto Greis gemeinsam mit seiner Frau jedem Sommer Bootsreisen auf dem Mittelmeer und setzt die Eindrücke des Lichts in seinen Werken um. Unser Aquarell aus dem Jahre 1974 ist ein herausragendes Beispiel dieser Werkphase, das insbesondere aufgrund seiner farblichen Gestaltung besonders gelungen ist. Der Künstler beschränkt sich auf die Primärfarben, die in ihrer warmen Tönung eine anregende Atmosphäre schaffen und zusammen mit der strahlenförmigen Anordnung der einzelnen Elemente Assoziationen an die strahlende Sonne eines heißen Sommertages wecken.
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