Trunkene Bacchanten, um 1900
Bleistift mit leichtem Farbstift auf Bütten
Rechts unten signiert: "Lovis Corinth"
31 x 42cm
Euro 3.800,-
Unsere skizzenhafte Zeichnung zeigt ein kaum bekleidetes Paar in geselliger Umarmung. Der nur mit einem Lendenschurz bekleidete Mann weist einen rundlichen Körperbau auf und ist im Gegensatz zu der weiblichen Figur vollständig dargestellt. Er umfasst mit dem linken Arm die Taille seiner Begleiterin, während er mit der angewinkelten Rechten das Handgelenk einer dritten, nicht weiter ausgeführten Figur ergreift. Seine blonde, unbekleidete Gefährtin lehnt sich mit um seinen Nacken gelegtem Arm an seine Schulter.
Lovis Corinth widmet sich während seiner künstlerischen Tätigkeit, die nach akademischen Anfängen zwischen impressionistischen und später vermehrt expressiven Tendenzen pendelt, neben Portrait-, Akt- und Landschaftsdarstellungen auch biblischen und mythologischen Themen. Ein häufig wiederkehrendes Motiv ist – wie bei unserer Zeichnung zu sehen – das Gefolge des griechischen Gottes Dionysos, die Bacchanten und Mänaden, die der Künstler als Einzelfiguren oder in kleineren oder größeren Gruppen darstellt. Sogar in einem seiner zahlreichen Selbstportraits (Bacchantenpaar, 1908, Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt) erscheint er zusammen mit seiner Frau Charlotte mit Weintrauben als Bacchant.
Seiner Begeisterung für den nackten – insbesondere den weiblichen – menschlichen Körper folgend beschäftigt sich Corinth intensiv mit der Aktmalerei. Seit seinem zweijährigen Aufenthalt in Paris Mitte der 1880er Jahre, als er durch die Salonmaler Adolphe William Bouguereau und Tony Robert-Fleury an der renommierten privaten Kunstschule Académie Julian im Aktzeichnen unterricht wird, nimmt die Aktmalerei eine zentrale Stellung in Corinths Œuvre ein und er setzt diese fortan auch für seine mythologischen Themen ein.
Unsere „Trunkenen Bachanten“ stellt Corinth mit skizzierenden dynamischen Linien dar und beschränkt sich dabei auf das Wesentliche. So vernachlässigt er weite Teile der Mänade und konzentriert sich auf die Komposition der männlichen Figur und ihr Zusammenspiel mit seiner weiblichen Begleiterin. Er fügt jedoch leichte Schraffuren in Orange und Gelb hinzu und hebt die Arbeit damit über eine bloße Bleistiftskizze hinaus.
Im Aufbau weist unsere Zeichnung eine Verbindung zu verschiedenen Gemälden Corinths aus den späten 1890er Jahren auf: Die männliche Figur im Zentrum von Bacchantenzug (1896, Privatsammlung) ähnelt unserem Bacchanten lediglich im Körperbau. Dagegen zeigen sich bei zwei weiteren Gemälden zusätzlich deutliche Parallelen in der Körperhaltung, die jeweils auf eine Körperhälfte beschränkt sind: Bei Bacchanale (1896, Städtisches Museum, Gelsenkirchen) beziehen sich diese auf die Stellung der Beine sowie das Festhalten einer Mänade mit dem angewinkelten rechten Arm. Im Gegensatz zu unserer Zeichnung wendet sich der Bacchant von Heimkehrende Bacchanten (1898, Von-der-Heydt-Museum, Wuppertal) stärker seiner Begleiterin zu seiner Linken zu und anstatt sie nur in der Taille zu umfassen, befindet sich seine Hand höher an der Brust.
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