without Title
Pastell and chalk on paper, signed and datedund (19)53/105 datiert
Sheet size: 18,1 x 24,6in.
Euro 2.700,-
Unser Blatt zeigt die abstrakte Komposition einer aus feinen Linien und kräftigen Konturen verdichteten schwarzen Struktur auf hellem Grund. Diese fast dreidimensional wirkende Struktur verdeckt zur Hälfte einen gelben Kreis mit verwischten Konturen im Zentrum des Blattes. Zudem finden sich einzelne rötliche, grünliche, violette und gelbe Akzenten innerhalb des schwarzen Liniengefüges.
Nach seinen künstlerischen Anfängen in naturalistisch geprägtem Stil – dazu zählen neben seinem weitgehend im Krieg zerstörten Frühwerk auch seine Landschafts- und Portraitzeichnungen, die er als Soldat in Russland anfertigt – orientiert sich Gerhard Fietz nach 1945 neu und wendet sich der Abstraktion zu. Zusätzlich zu seinen Experimenten mit Farbe, Form und Linie befasst er sich auch auf theoretischer Ebene mit den Möglichkeiten der ungegenständlichen Malerei. Die Arbeiten seiner weiteren künstlerischen Tätigkeit können verschiedenen Werkgruppen zugeordnet werden. Ein besonderes Merkmal dieses Neubeginns ist auch die Einführung fortlaufender Nummerierungen zur Bezeichnung seiner Bilder anstelle von Titeln; für Ausstellungen wurden einige Werke nachträglich betitelt.
Unsere Komposition „53/105“ ist zeitlich und stilistisch am Übergang von zwei Werkgruppen zu verorten: Etwa ab 1950 dominieren in der Werkgruppe „Zeichen“ abstrakte, meist auf wenige Farben und Schwarz reduzierte Kompositionen, die von einer kalligraphischen Formensprache geprägt sind. Bei der sich ab Mitte der 1950er Jahre anschließenden Werkgruppe „Abstraktes und Strukturelles“ löst sich die vormals geschlossene Form auf und die Farbe tritt – mitunter mit dem Spachtel aufgetragen – zunehmend in den Mittelpunkt. Zwar erinnert die schwarze Struktur unseres Blattes in ihrem Aufbau noch an kalligraphische Zeichen, doch sie weist nicht deren kompakte Form auf. Vielmehr deuten die unscharfen Umrisse und die unterschiedliche Farbintensität auf eine Auflösung der Form hin, die Fietz in den folgenden Jahren unter Einbeziehung weiterer Farben weiterentwickelt.
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